Zoll stoppt Kanister-Trick an Luxemburger Tankgrenze:
Sprit im Nachbarland deutlich günstiger als in Deutschland – Autofahrer schleppen Reservekanister über die Grenze - Zoll richtet mobile Kontrollestelle ein und kassiert Einfuhrsteuer bei zu viel Kraftstoff
Erlaubt sind nur 20 Liter im Reservekanister pro Fahrzeug – Erste Autofahrer gleich zu Beginn ertappt, jeweils ein 20-Liter-Kanister zu viel - Kurios: Trotz Nachzahlung bleibt das Tanken für viele ein positives Geschäft - Wir haben die Kontrolle einen Abend begleitet
Datum: Mittwoch, 11. März 2026, 06:24 Uhr
Ort: Nennig, Landkreis Merzig-Wadern, Saarland
(ch) Der Tank-Tourismus an der luxemburgischen Grenze nimmt wegen der hohen Spritpreise in Deutschland weiter zu – und bringt auch den Zoll auf den Plan. Am Dienstagabend richteten Zollbeamte ab 18:00 Uhr an der Grenze zwischen dem saarländischen Ort Nennig und dem luxemburgischen „Tankparadies“ Remich eine Kontrollstelle ein. Neben den üblichen Kontrollen zu Zigaretten, Alkohol, Bargeld oder verbotenen Gegenständen ging es dabei auch gezielt um mitgeführte Reservekanister.
Der Preisunterschied ist enorm: In Luxemburg lag der staatlich festgelegte Maximalpreis am Abend bei 1,56 Euro pro Liter Super und 1,72 Euro pro Liter Diesel. Um Mitternacht wurden die Preise leicht angepasst auf 1,65 Euro (Super) und 1,82 Euro (Diesel) – damit bleibt Luxemburg trotzdem deutlich günstiger als Deutschland. An Saarbrücker Zapfsäulen wurden am Morgen rund 2,10 Euro für Super E5 und 2,17 Euro für Diesel aufgerufen. Das Sparpotenzial liegt damit bei etwa 50 Cent pro Liter.
Genau das treibt viele Autofahrer dazu, nicht nur den Tank vollzumachen, sondern auch Kanister mitzunehmen. Doch hier gelten klare Grenzen: Bei der Einreise nach Deutschland sind maximal 20 Liter Kraftstoff im Reservekanister pro Fahrzeug zollfrei erlaubt. Mehr ist zwar nach Gefahrgutrecht transportierbar, zählt beim Grenzübertritt aber nicht – hier greifen die zollrechtlichen Freimengen. Außerdem muss der Kraftstoff zum Fahrzeug passen: In einen Diesel-Pkw gehört also Diesel, nicht „Benzin für den Rasenmäher daheim“.
Gleich zu Beginn der Kontrolle erwischten die Beamten zwei Autofahrer: Beide hatten jeweils einen gefüllten 20-Liter-Kanister zu viel an Bord. Je nach Kraftstoff mussten sie rund 13 Euro Einfuhrsteuer direkt vor Ort zahlen – bar oder per Karte. Weil beide Fahrer die Kanister auf Nachfrage sofort angaben, blieb ihnen eine zusätzliche Strafe erspart.
Einer der Kontrollierten, Jens Sievers aus Rehlingen-Siersburg, war einer Fehlinformation aufgesessen. „Die Frau an der Tankstelle hat gesagt, jeweils ein Kanister pro Person ist erlaubt“, sagte er – und nahm zwei Kanister mit. Den Zollbescheid nahm er sportlich: Trotz Nachzahlung spare er durch den vollgetankten 75-Liter-Tank und die Kanister immer noch deutlich dreistellig – unterm Strich bleibe ein klares Plus.
Mit fortschreitender Kontrollzeit wurden die Verstöße seltener. Die Beamten gehen davon aus, dass sich die Information über die Kontrollstelle schnell herumsprach. Gegen 22:00 Uhr wurde der Einsatz beendet. Das Fazit des Hauptzollamts Saarbrücken: Es gab Aufgriffe im Bereich Kraftstoff – jeweils kleinere Mehrmengen, die von den Betroffenen angemeldet wurden. Die Ermittlungen beschränkten sich in diesen Fällen auf die fällige Einfuhrsteuer.
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