niedersachsen
Mittwoch, 02. Mai 2012
Neuenkirchen, Heidekreis, Niedersachsen
News-Nr.: 15152

Schockierender Fall von „Animal Hoarding“:
„Degu Hilfe Nord“ rettet rund 300 Nagetiere aus verwahrlostem Wohnzimmer - mindestens 40 tote Degus

Besitzer wendete sich hilfesuchend an Tierschützer - Schicksalsschläge des Halters führen zu Qual zahlreicher Tiere: Allein 50 Degus wurden aus einem Dreiersofa geschnitten

Bildergalerie vorhanden

Datum: Mittwoch, 02. Mai 2012

Ort: Neuenkirchen, Heidekreis, Niedersachsen

 

(ca) Es war eine der aufwändigsten Rettungaktionen in der Vereinsgeschichte der „Degu Hilfe Nord". Katja Dähler-Westerwinter, Vorsitzende des Vereins im niedersächsischen Neuenkirchen: „In dem Moment schaltet man selber aus und reagiert nur, später kommt das Erwachen. Jeder fällt da erstmal in ein kleines Loch, auch noch so erfahrene Leute haben hinterher Momente, in denen man zusammenbricht, die hatte ich hier auch."

Was zunächst mit einer kleinen Tiergruppe in einer sicheren Voliere begann, endete für rund 300 Degus, eine Nagetierart, im „Gefahrengebiet Wohnzimmer“. Die Besitzer der Tiere, Vater und Sohn aus dem sachsen-anhaltinischen Bitterfeld, wurden innerhalb kürzester Zeit beide zu Pflegefällen. In der Folge konnten sie sich nicht mehr mit der aufwändigen Pflege der Tiere befassen, weshalb ein Ausbruch der aktiven Strauchratten aus dem Gehege katastrophale Folgen nach sich zog. Ungehindert vermehrte sich die zunächst kleine Gruppe zu einer riesigen Herde, die schon bald das heimische Wohnzimmer in einen Ort der Verwüstung verwandelte: Dreck, Unrat und verwesende Nagerleichen alarmierten aufgebrachte Nachbarn und das Veterinäramt. „Bald wäre die letzte Frist abgelaufen, die Tiere wären dann zwangsenteignet und aufgrund von Platzmangel getötet worden“, erklärt Dähler-Westerwinter die Dringlichkeit der Rettungsaktion.

Aufwändig zerlegten die engagierten Helfer in ihrer Schutzkleidung diverse Möbel, um darin nach Tieren zu suchen. Unvorstellbar für alle: Ein Dreiersofa beherbergte rund 50 ausgehungerte und mit Parasiten befallene Degus. Immer wieder sahen sich die Tierfreunde mit grausamen Bildern konfrontiert: Tote Nager, die den unfassbaren Lebensumständen erlegen waren. Machtkämpfe, Krankheiten, Hunger, Durst und unhygienische Zustände forderten rund 40 Opfer.

Noch ist das gesamte Ausmaß der Folgen nicht überschaubar, immerhin waren zahlreiche trächtige Weibchen und Jungtiere unter den geretteten Degus. „Nicht alle Babys konnten der richtigen Mutter zugeordnet werden, deshalb müssen wir 40 von ihnen nun mit der Hand aufziehen, zehn weitere Jungtiere konnten wir erfolgreich fremden Weibchen unterschieben“, so Katja Dähler-Westerwinter. Die Verarbeitung der schrecklichen Bilder und die Pflege der gequälten Tiere wird Dähler-Westerwinter wohl noch lange Zeit beschäftigen.

 

 

Die NonstopNews-Bilder und der O-Ton:                                        

 

-          Diverse Fotos: völlig verdrecktes Wohnzimmer

-          Fotos: verkoteter Boden, kleine verdreckte Käfige,

-          Fotos: leere Futterschalen, Chaos in der Wohnung

-          Ab jetzt Video: Tiere (close) in im neuen Zuhause der „Degu Hilfe Nord"

-          Katja Dähler-Westerwinter beim Füttern der Degus

-          Degus beim Klettern in den großen Volieren der „Degu Hilfe Nord"

-          Degu auf dem Arm von Katja Dähler-Westerwinter

-          Katja Dähler-Westerwinter füllt Trinkschale mit Milch

-          O-Ton Katja Dähler-Westerwinter, „Degu Hilfe Nord": "... kam durch meinen Mann zu Degus … viele Tierheime nicht eingerichtet auf Degus … viel Platz nötig … kamen Ende der 60er-Jahre nach Deutschland … Halter meldete sich bei uns … sprach zunächst von 50 bis 60 freilaufenden Degus im Wohnzimmer … keine Trennung der Geschlechter … aus Erfahrung stellten wir uns daher auf mehrere Tiere ein … Veterinäramt beschäftigte sich bereits mit dem Fall … letzte Frist wäre fast abgelaufen … Titel hätte Zwangsenteignung und somit auch Tötung der Tiere zur Folge gehabt … Halter erlitten schwere Schicksalsschläge … Krankheit, Koma, OP, Rollstuhl … kurze Zeit danach wurde Sohn zum Pflegefall … Ausbruch der Degus … Organisation der Rettungsaktion schwer … befreundete Tierheime und Bekannte mussten für Aufnahme der Tiere gefunden werden…14.4 erster Besuch vor Ort…mit Lebendfallen wurden Tiere eingefangen … Wohnungseinrichtung wurde zerschnitten … aus Dreiersofa holten wir circa 50 Degus … insgesamt waren es rund 300 … fast alle Weibchen trächtig … Möbel raus aus Wohnung, um diese nach und nach zu leeren und alle Tiere zu finden … viele Jungtiere, nicht alle konnten den richtigen Müttern zugeordnet werden … deshalb werden nun einige von uns mit der Hand aufgezogen … Parasiten von außen und wohl auch von innen, Ergebnisse der Kotprobe stehen noch aus … circa 40 tote Degus … mögliche Gründe: Machtkämpfe, Ecken/Kanten der Möbel, Zahnprobleme … Kosten für Degus betragen bei Dreiergruppe circa 20 bis 25 Euro pro Monat …"     

 
 

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