Stand: 03.09.10, 14:17 Uhr
Datum: Freitag, 03. September 2010, ca. 13:30 Uhr
(ah/gs) Sie waren mit einer Vielzahl von geistig behinderten Menschen auf dem Weg zu einem Wochenendausflug an der Ostsee, doch die Reise endete auf der A1 bei Bremen in einer Tragödie. Ein Kleinbus des CVJM, der zusammen mit zwei weiteren Kleinbussen der Diakonie aus Iserlohn (NRW) auf der A1 Richtung Norden unterwegs war, verunglückte am Freitagnachmittag kurz hinter dem Dreieck Stuhr schwer.
Nach aktuellen Angaben sei der Bus zunächst kurz von der rechten Fahrspur auf den Mittelstreifen geraten. Als der Fahrer dann offenbar versuchte gegenzulenken, geriet der Kleinbus ins Schleudern. Der Wagen krachte über die Seitenschutzplanke und prallte dann mit hoher Wucht in einen Baum. Der Unfall ereignete sich direkt vor dem Augen der beiden anderen begleitenden Businsassen, die sofort stoppten, um erste Hilfe zu leisten. Auch LKW-Fahrer Sebastian Bloch hielt sofort an, um zu helfen. „Hinterm Fahrer saß noch eine Person, dann noch eine zweite, neben dem Auto im Graben lag noch eine Person, im Wagen waren noch zwei eingeklemmt, es war echt schlimm“, erzählt der Ersthelfer unmittelbar nach dem Unfall.
Die Leitstelle löste sofort Großalarm aus. Sieben Rettungswagen, zwei Notärzte, zwei Rettungshubschrauber, sowie Einsatzkräfte aus Feuerwehren der Landkreise Diepholz und Oldenburg rückten sofort an, um die Vielzahl der Opfer zu betreuen.
Im Kleinbus waren zu diesem Zeitpunkt noch zwei Opfer eingeklemmt. Die Feuerwehr musste den Bus an der Böschung zunächst mit Seilen gegen ein weiteres Abstürzen sichern.
Eine ältere Frau war im Fußraum des hinteren Busteil verkeilt und konnte erst befreit werden, nachdem die Sitzreihen des Busses demontierte worden waren. Doch die Rettung der Beifahrerin erwies sich als deutlich komplizierter. Der Kleinbus hatte sich in diesem Bereich massiv um den Baum gewickelt, die 53-jährige ehrenamtliche Begleiterin der Behindertengruppe war so schwer eingeklemmt, dass Feuerwehrkräfte mit mehreren Rettungsätzen arbeiten musste und das Opfer erst nach zwei Stunden befreit werden konnte. Trotz der intensiven Bemühungen von Notarzt und Rettungsassistenten kam für die Frau jede Hilfe zu spät, sie erlag noch vor Ort ihren Verletzungen.
Alle sechs weiteren Insassen des Busses wurden verletzt, zwei von ihnen schwer, die zuvor eingeklemmte Frau von der Rückbank schwebt sogar in Lebensgefahr. Rettungskräfte betreuten auch die weiteren Mitreisenden der Behindertengruppe und ihrer Betreuer, die alles miterleben mussten. Die A1 Richtung Bremen blieb für mehrere Stunden voll gesperrt. Es kam zu massiven Verkehrsbehinderungen im gesamten Großraum Bremen bis in den Abend.
Die NonstopNews-Bilder und die O-Töne:
- Totale der Einsatzstelle
- Erste Rettungskräfte treffen ein, immer mehr Rettungswagen und Feuerwehr fährt vor
- Anfahrt diverser Rettungskräfte, Einsatzhektik, Tragen werden über Straße geschoben
- Anflug zweier Rettungshubschrauber mit Landung auf und neben der Autobahn
- Zerstörter Kleinbus hängt vor Baum, Bus muss mit Seilen gesichert werden
- niedergewalzte Leitplanke, Feuerwehr sichert Unfallfahrzeug,
- Verletzte werden am Straßenrand notversorgt (pixeln!)
- Feuerwehr arbeitet mit schwerem Gerät an Unfallfahrzeug, bemüht sich um Opfer
- Unzählige Helfer am Bus und bei den Betroffenen
- Weitere Busse der Reisegruppe vor Ort, Betreuer versuchen Opfer zu trösten
- Verletzte werden auf Trage gelegt und in Rettungswagen gebracht
- Opfer wird unterhalb der Böschung notversorgt, Abflug Hubschrauber
- Beifahrerin wird befreit und auf Straße notversorgt
- Bus in Abhang close nach Rettungseinsatz
- Vollsperrung, Staubilder, Schnittbilder
- O-Ton Sebastian Bloch, Ersthelfer: „…ich kam zwei Minuten später dazu, habe sofort angehalten und versucht, noch eine Person rauszuholen, die war sehr schwer eingeklemmt war, ich hab versucht ihr zu helfen…man versucht etwas zu helfen… es ist schwierig, man steht kurz vor dem Tränenausbruch, aber man helfen, sonst macht man sich Vorwürfe… habe nur Schreie gehört… hinterm Fahrer saß noch eine Person, dann noch eine zweite, neben dem Auto im Graben lag noch eine Person, im Wagen waren noch zwei eingeklemmt… es ist echt schlimm, das wünscht man keinem… die eine Frau sagte immer nur „Ich will schlafen, ich kann nicht mehr…“ , ich zitter auch ganz doll, das war sehr schlimm… ich habe sofort angehalten, man muss helfen…“
- O-Ton Henning Sittauer, Feuerwehr Groß Mackenstedt: „…als erste Kräfte eintrafen, haben wir Bus an Abhang vor Baum vorgefunden… im Bus waren zwei Personen noch schwer eingeklemmt… im Bus waren sieben Personen, davon fünf Schwerverletzte und zwei lebensgefährlich Verletzte. Zur Organisation gehörten drei Busse, die hintereinander fuhren, die beiden hinteren Fahrzeuge haben den Unfall also hautnah miterlebt,…das Fahrzeug steht sehr schräg an Abhang, hängt an Baum, haben Bus gegen Abrutschen gesichert… zweite Person lag im Fußraum hinten, Beifahrerin muss noch befreit werden, sie ist aber von vorne und hinten massiv eingeklemmt… es hatten mehrere Verkehrsteilnehmer angehalten und Opfer betreut… müssen Wagen Stück für Stück auseinandernehmen, um Person zu befreien…“
- O-Ton Reginald Thießen, Polizei Delmenhorst: „…Wagen war Richtung Hamburg unterwegs, aus unbekannter Ursache war der Wagen von Hauptfahrstreifen auf Mittelspur geraten, Fahrer hat dann gegengelenkt und ist dann ins Schleudern geraten, Wagen krachte dann durch Leitplanke und stürzte direkt vor Baum… es waren sieben Personen im Wagen, es handelt sich um Behindertengruppe aus Isernlohn auf Weg zu einem Kurzurlaub nach Schleswig-Holstein... Rettungskräfte mit Großaufgebot vor Ort, alle geben ihr Bestes… Vollsperrung Richtung Bremen wegen Hubschrauberlandung“
- O-Ton Dr. Andreas Callies, leitender Notarzt LK DH: „…war sehr aufwendig, hatten zwei Opfer schwer eingeklemmt und dann noch fünf Schwerverletzte… / … wir haben uns um weitere Betroffene gekümmert, Krisenintervention ist alarmiert, keiner wird alleine gelassen… es waren zwei Hubschrauber, sieben Rettungswagen und zwei Notarztwagen, sowie leitenden Notarzt und organisatorischer Leiter Rettungsdienst vor Ort…/ … man hat hier lebensbedrohliche Opfer, so was kann man nur schwer üben, das ist eine große Herausforderung…“
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